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Lago di Barrea: die drei Borghi Barrea, Villetta Barrea und Civitella Alfedena
Künstlicher See auf 980 m im PNALM, umgeben von drei Juwelen-Borghi: Castello Caldora, Borgo Autentico, Gämsen- und Wolfspfade

Der Lago di Barrea ist das Herzstück des Nationalparks Abruzzen, Latium und Molise (PNALM), ein künstlicher See von 303 Hektar, der 1951 durch den ENEL-Staudamm am Fluss Sangro in der Felsschlucht von Barrea entstanden ist. Obwohl künstlich angelegt, gilt er heute als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention seit dem 14. Dezember 1976) wegen seines Werts für die Vogelwelt. An seinen Ufern liegen drei kleine historische Borghi (alte Dörfer): Barrea (1.060 m, Burg und mittelalterliche Stadtmauern), Villetta Barrea (990 m, Borgo Autentico d'Italia) und Civitella Alfedena (1.123 m, Heimat des Museums des Apennin-Wolfes). Zusammen bilden sie eine der meistfotografierten Kulissen Abruzzens: drei mittelalterliche Steindörfer, wie Perlen um einen Gebirgssee gereiht, umgeben von Wäldern und Gipfeln.
Der Lago di Barrea: Zahlen, Geografie, Ökologie
Der Lago di Barrea ist das wichtigste Staubecken des Alto Sangro, entstanden 1951 durch den Bau eines Sperrwerks am Fluss Sangro an der natürlichen Felsspalte zwischen Barrea und Civitella Alfedena. Der ursprüngliche Zweck war die Stromerzeugung (das ENEL-Kraftwerk ist noch in Betrieb); mit der Zeit ist der See auch zu einem bedeutenden Landschafts- und Naturelement geworden.
Die Zahlen
Der See liegt auf einer Höhe von 980 Metern über dem Meeresspiegel und erstreckt sich über eine Fläche von 303 Hektar. Die Gesamtlänge beträgt 4,6 km, die maximale Breite 500 Meter, die maximale Tiefe erreicht 35 Meter in der Nähe des Staudamms. Er wird vom Fluss Sangro und mehreren kleinen Nebenflüssen gespeist. Die Ufer sind mit Eichen, Weiden und Schwarzkiefern bewachsen, stellenweise gibt es kleine Sand- oder Kiesstränden.
Die Fauna: Vogelwelt und Fischarten
Der Lago di Barrea ist ein wichtiges Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung für die Vogelwelt. Hier nisten: Graureiher, Stockenten, Teichhühner, Eisvögel, Blässhühner. Er ist Rastplatz für Zugvögel: Krickenten, Pfeifenten, Tafelenten, Reiherenten, manchmal auch Höckerschwäne. In den Gewässern leben Bachforellen, Döbel und Rotaugen; die Fischerei wird vom Park reguliert.
Baden und Sommeraktivitäten
Im Sommer ist der See zum Baden geeignet (sauberes Wasser, regelmäßige ARTA-Kontrollen). Der wichtigste ausgestattete Strand ist La Gravara in Villetta Barrea: Sand und Kies, kleine Badebetriebe, Parkplatz. Weitere freie Strände entlang der Ufer: bei Barrea (Foce di Barrea), bei Civitella Alfedena. Bei lokalen Anbietern können Tretboote, Kanus, Kajaks und SUP-Boards gemietet werden. Das Wasser ist selbst im Hochsommer frisch (16–19 °C), da es aus Quellen gespeist wird.
Die Routen rund um den See
Die vollständige Umrundung des Sees zu Fuß oder mit dem Fahrrad beträgt etwa 15–18 km, die zu Fuß in 4–5 Stunden oder per Rad in 1–2 Stunden zurückgelegt werden können. Der Rundweg verbindet die drei Borghi durch Wälder, Brücken und Uferabschnitte, mit zahlreichen Aussichtspunkten. Besonders reizvolle Abschnitte: das Nordufer (Villetta Barrea – Civitella Alfedena, 2–3 km, Asphalt/leichter Schotterweg, ideal für Familien mit Kinderwagen) und das Süd-Ost-Ufer zum Staudamm von Barrea (spektakuläres Panorama auf den Borgo Barrea von oben).
Barrea: der mittelalterliche Borgo auf 1.060 Metern
Barrea (1.060 m ü. M., ~700 Einwohner) ist der Borgo, der dem See seinen Namen gegeben hat. Er erstreckt sich auf einem Felsvorsprung östlich des Sees und bietet ein spektakuläres Panorama. Der Aussichtspunkt am Ortseingang, neben dem Hauptparkplatz, gilt als der beste Fotopunkt am Lago di Barrea: Gegenüber erhebt sich der Monte Marsicano (2.245 m), links das charakteristische spitze Profil des Monte Amaro di Opi (1.862 m), rechts der Kamm der umliegenden Berge.
Die Burg von Barrea
Das Castello dei Conti di Sangro überragt das Ortsbild. Im 10.–11. Jahrhundert als Befestigung gegen Sarazenenüberfälle erbaut, wurde es in normannischer und angevinischer Zeit erweitert. Es besitzt Türme, Mauern und einen Innenhof. Die Burg wurde teilweise restauriert und beherbergt Kulturveranstaltungen und Saisonausstellungen. Der Eintritt ist kostenlos oder gegen ein kleines Entgelt; die Besichtigung dauert 30–45 Minuten.
Die Kirchen von Barrea
Die Hauptkirche ist dem Heiligen Thomas dem Apostel geweiht, mittelalterlichen Ursprungs mit barocken Umbauten. Weitere Kirchen: Madonna delle Grazie, eine kleine Votivkapelle außerhalb des historischen Zentrums. Der Borgo hat ein charakteristisches "Krippensilhouette"-Erscheinungsbild, da sich die Steinhäuser terrassenförmig auf dem Felsvorsprung anordnen.
Das historische Zentrum
Die engen Gassen des mittelalterlichen Borgos bewahren die ursprüngliche Verteidigungsstruktur: Häuser mit "durchgehender Mauer", serpentinenförmige Straßen mit weißen Steintreppen, Bögen und Durchgänge. Am besten ohne Eile zu Fuß zu erkunden. Die Panoramaterrasse über dem See ist einer der eindrucksvollsten Orte des PNALM.
Villetta Barrea: Borgo Autentico d'Italia
Villetta Barrea (990 m ü. M., ~700 Einwohner) liegt am nordwestlichen Ende des Sees, durchflossen vom Fluss Sangro, der hier vor dem Staudamm fließt. Es wurde 2017 als Borgo Autentico d'Italia anerkannt, eine Zertifizierung, die italienische Dörfer für Lebensqualität, Authentizität und Nachhaltigkeit auszeichnet.
Lage und Umgebung
Das Dorf liegt eingebettet zwischen dem Monte Mattone (1.640 m, im Norden) und dem Monte Sterpi d'Alto (1.966 m, im Südwesten), in einer Lage, die es sonnig und windgeschützt macht. Es wird oft "das Dorf der Hirsche" genannt, denn jeden Herbst, in der Brunftzeit, kommen Hirschrudel bis ins Dorf hinunter, um auf den Weiden nahe dem Fluss zu grasen – ein seltenes und unvergessliches Schauspiel.
Das historische Zentrum und die Sehenswürdigkeiten
Das historische Zentrum ist überschaubar, mit Steinhäusern, engen Gassen und einem kleinen Hauptplatz. Das Museo dell'Acqua am Ufer des Sangro ist eine kleine Museumseinrichtung über die Beziehung des Borgos zu den Flüssen und dem Wasser. Die Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert. Die Uferpromenade am Fluss ist mit Bänken ausgestattet und ideal für Spaziergänge bei Sonnenuntergang.
Der Pfad nach Civitella Alfedena
Von Villetta Barrea aus kann man den benachbarten Borgo Civitella Alfedena in etwa 40 Minuten zu Fuß erreichen, entlang einer asphaltierten Straße von 2 km – ein sehr einfacher Weg (auch mit Kinderwagen). Ausgangspunkt ist das zentrale Lebensmittelgeschäft: Man überquert die Brücke über den Sangro, folgt der Asphaltstraße entlang des Flusses und dann dem Nordufer des Sees. Unterwegs passiert man das Museo dell'Acqua und den Campingplatz Natura Le Quite. Ausgezeichnet für Familien und ältere Gäste.
Civitella Alfedena: winziger Borgo, große Natur
Civitella Alfedena (1.123 m ü. M., ~300 Einwohner, kleinste Gemeinde des PNALM) thront auf einem Felsvorsprung nördlich des Lago di Barrea. Der Borgo gehört zu den ältesten der Region: Die ersten Siedlungen reichen bis ins Paläolithikum zurück, und im 4.–5. Jahrhundert entwickelte er sich zu einer befestigten Siedlung. Die Häuser wurden als "Verteidigungsmauer" gebaut, um die Bewohner vor Feinden und den harten Winterbedingungen zu schützen.
Das historische Zentrum
Civitella bewahrt seinen mittelalterlichen Kern unversehrt. Paläste aus dem 17. und 18. Jahrhundert, alte Kirchen, Gassen mit weißen Steintreppen. Bemerkenswerte Bauwerke: der zylindrische Wohnturm aus dem Jahr 1400, noch bewohnt, Teil der alten mittelalterlichen Burg; der Torre della Saettera aus dem 16. Jahrhundert, der vom oberen Teil des Borgos das gesamte Tal überblickt; die Kirche Santa Lucia mittelalterlichen Ursprungs.
Das Museum des Apennin-Wolfes
Das Museo del Lupo Appenninico ist das Schmuckstück von Civitella Alfedena. Es präsentiert wissenschaftliche Dokumentation zur Biologie, Ethologie und zum Schutz des Canis lupus italicus, der endemischen italienischen Unterart des Wolfes, die im PNALM in den 1970er Jahren vor dem Aussterben bewahrt wurde, als der nationale Bestand auf etwa 100 Exemplare gesunken war. Heute zählen die italienischen Wölfe ~3.300, davon 50–70 im PNALM. Das Museum wird ergänzt durch das Wolfsgehege: ein weitläufiges eingezäuntes Gelände, in dem Wölfe in Halbfreiheit leben und von Panoramawegen aus beobachtet werden können. Ein erstklassiges Bildungserlebnis, besonders für Reisende mit Kindern.
Das Luchsgehege
Im oberen Teil des Borgos beherbergt das Luchsgehege einige Exemplare des Eurasischen Luchses (Lynx lynx), einer in Italien äußerst seltenen Art. Der Luchs ist im zentralen Apennin praktisch verschwunden; das Gehege ermöglicht es, sein Verhalten aus nächster Nähe zu beobachten, und sensibilisiert für Wiederansiedlungsprojekte.
Wanderungen von den drei Borghi aus
Die drei Borghi am Lago di Barrea sind ideale Ausgangspunkte für die bekanntesten Wanderungen im PNALM. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten von jedem Borgo vor.
Von Civitella Alfedena: Val di Rose
Der Pfad durch das Val di Rose startet in Civitella Alfedena und steigt zur Rifugio di Forca Resuni (1.952 m) auf: 14 km hin und zurück, 800 m Höhenunterschied, 6–7 Stunden, Schwierigkeit E/EE. Eines der Täler, in denen am häufigsten Apennin-Gämsen zu sehen sind, besonders im Herbst (Hirschbrunft). Zugang mit begrenzter Besucherzahl von Juli bis Mitte September: Reservierung erforderlich bei den Büros des Ente Parco in Civitella Alfedena oder Pescasseroli. Eine der Ikonen-Wanderungen des Parks – für alle, die sie unternehmen können, unverzichtbar.
Von Barrea: Lago Vivo und Monte Petroso
Von Barrea führt der Pfad zum Lago Vivo (1.591 m), einem kleinen Gletschersee in der Höhe: 9 km hin und zurück, 600 m Höhenunterschied, 5 Stunden, Schwierigkeit E. Man durchquert Buchenwälder, Hochalmen und wandert umgeben von den Gipfeln des Monte Petroso, des Monte Altare und des Monte Tartaro. Für erfahrenere Wanderer lässt sich vom Lago Vivo der Aufstieg zum Monte Petroso (2.247 m), dem höchsten Gipfel des PNALM, fortsetzen: weitere 4 km hin und zurück, 650 m Höhenunterschied, Schwierigkeit EE.
Von Villetta Barrea: Camosciara und Val Fondillo
Villetta Barrea ist die ideale Basis für die Camosciara (5 km per Auto in Richtung Opi), ein szenisches Felstheater mit thematischen Wanderwegen. Im Sommer mit reguliertem Zugang (begrenzte Besucherzahl, Shuttlebus ab Villetta Barrea). Routen von einer Stunde bis zu einem ganzen Tag. Ideal für Familien ist der Sentiero delle Cascate (einfacher Rundweg von 2 Stunden). Außerdem ist von Villetta Barrea das Val Fondillo leicht zu erreichen (10 km, Eingang bei Opi), eines der schönsten Gletschertäler des Parks.
Einfache Wege rund um den See
Rundweg um den See: 15–18 km, per Fahrrad oder zu Fuß befahrbar, 4–5 Stunden zu Fuß, moderater Höhenunterschied, Schwierigkeit T/E leicht. Eine vollständige Route, die alle drei Borghi verbindet und den See aus verschiedenen Perspektiven zeigt. Weg La Gravara – Camping Natura Le Quite: 2 km, sehr einfach, ideal für Familien und Kinder.
Wo übernachten am Lago di Barrea
Alle drei Borghi bieten familienfreundliche Unterkunftsmöglichkeiten: B&B in den historischen Zentren von Barrea, Villetta Barrea, Civitella Alfedena (60–100 € pro Doppelzimmer), Hotels mit 2–3 Sternen traditionellen Stils (80–130 €), Agriturismi in der Umgebung mit typischer Küche (80–130 € Halbpension), Ferienhäuser und Appartements für Familien. Camping Natura Le Quite in Villetta Barrea für Campingfreunde. Die Preise steigen in der Hochsaison (Juli–August, Weihnachten, Ostern) um 30–50 %.
Was man in den Borghi am See essen sollte
Traditionelle Küche des Alto Sangro mit Schaffleischgerichten, Polenta und Waldgemüsen. Spezialitäten: Arrosticini di Pecora (Schafspiesschen), Polenta mit Schaf- oder Wildschweinsauce, Maccheroni alla Chitarra, Sagne e Fagioli, Pallotte Cacio e Ova, Pecora alla Callara, geschmortes Wildschwein. Desserts: Ferratelle, Cagionetti, Cicerchiata. Produkte: Pecorino d'Abruzzo, frischer Ricotta, Mortadella di Campotosto IGP, Salame Marsicano, Wildblumenhonig, schwarzer Trüffel. Liköre: Genziana, Centerba, Ratafia.
Wann den Lago di Barrea besuchen
Sommer (Juni–September): Hochsaison, Baden, Festivals, Veranstaltungen in den drei Borghi, alle Wanderwege zugänglich. Besucherkontingent für Val di Rose und Camosciara: Vorabbuchung erforderlich. Tagestemperaturen 18–28 °C. Touristenandrang an Wochenenden im Juli–August.
Herbst (September–November): Die reizvollste Jahreszeit. Hirschbrunft (September–Oktober), Laubfärbung der Buchen und Ahornbäume, sehr aktive Tierwelt, weniger Tourismus, niedrigere Preise. Tagestemperaturen 10–20 °C, nachts kalt.
Winter (Dezember–März): Drei verschneite Borghi, magische Atmosphäre, Weihnachtsmärkte in Barrea und Villetta Barrea, Skifahren in nahe gelegenen Skiorten (Pescasseroli, 30 Minuten). See teilweise zugefroren, spektakuläre Panoramen. Temperaturen -5/+5 °C – auf Kälte vorbereiten.
Frühling (April–Juni): Blüten, aktive Tierwelt, zart-grünes Laubaustreiben, fast alle Wanderwege zugänglich, wenig Tourismus. Ideal für Familien und Naturfotografen. Temperaturen 8–20 °C, mögliche Regenfälle.
Wie man zum Lago di Barrea kommt
Von Rom: 2,5 Std., 175 km über A24–A25 (Ausfahrt Pescina oder Celano), SS83 Marsicana über Pescasseroli oder über Gioia dei Marsi–Bisegna.
Von Neapel: 2 Std. 45 Min., 175 km über A1 Caianello, Venafro, Alfedena.
Von Pescara: 2 Std., 145 km über A25–SS17–Sulmona–Scanno–Villetta Barrea (Panoramaroute).
Die drei Borghi liegen 5–10 Autominuten voneinander entfernt. Kostenlose Parkplätze am Rand der historischen Zentren (kostenpflichtig nur rund um Ferragosto). Die historischen Zentren sind Fußgängerzonen (außer für Anwohner).
Empfohlene Reiseroute durch die drei Borghi
1 Tag: Vormittag Barrea (Burg, historisches Zentrum, Seeblick-Aussichtspunkt, 2–3 Std.). Mittagessen. Nachmittag Civitella Alfedena mit Wolfsmuseum und Wolfsgehege (3–4 Std.).
Ein Wochenende: 1. Tag wie oben. 2. Tag Vormittag Wanderung (Val di Rose wenn vorgebucht, oder Lago Vivo, oder einfacher Spaziergang rund um den See). Nachmittag Villetta Barrea (Zentrum, Museo dell'Acqua, Flusspromenade) oder Strand La Gravara zur Erholung.
3–4 Tage: Erweiterung mit anspruchsvolleren Wanderungen (Monte Petroso, UNESCO-Buchenwälder mit Führer), kombinierbar mit Pescasseroli (PNALM-Besucherzentrum, 30 Autominuten), Scanno (herzförmiger See, 45 Minuten), Castel di Sangro (1 Stunde), lokalen Veranstaltungen (Sommerkonzerte, Märkte) und vertiefter Gastronomie.
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Gute Reise.