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Nationalpark Majella: Der vollständige Reiseführer zum UNESCO-Geopark Abruzzos
UNESCO-Geopark seit 2021, 74.095 Hektar, Monte Amaro, celestinische Eremitagen: der vollständige Reiseführer zur Bergmutter Abruzzos

Es gibt Berge in Italien, die man "Mütter" nennt. Die Majella ist einer davon – und wahrscheinlich der wörtlichste von allen. Der Name leitet sich nach der traditionellen Etymologie von Maja ab, der Mutter Jupiters in der italischen Mythologie, die der Legende nach genau unter diesem Massiv begraben liegt. Für die Abruzzesen ist es schlicht "la Majella", der Mutterberg der Region, das gewaltige kalkig-dolomitische Massiv, das die Landschaft von der Adria bis zu den Apenninhängen beherrscht – nach dem Gran Sasso nur die zweithöchste Erhebung, aber vielleicht die erste in puncto Identität.
Heute umfassen jene 74.095 Hektar den Nationalpark Majella (gegründet 1991), und seit 2021 ist das Gebiet auch als UNESCO-Geopark Maiella anerkannt – eine weltweite Auszeichnung, die dieses Territorium in den exklusiven Kreis jener Stätten rückt, wo die geologische Geschichte der Erde vollständig an der Oberfläche ablesbar ist. 39 Gemeinden in 3 Provinzen, über 2.100 Pflanzenarten (ein Drittel der italienischen Flora), 5 botanische Endemismen, die weltweit einzigartig sind, ein Gipfel – der Monte Amaro mit 2.793 Metern – als zweithöchster Apennin-Gipfel, mittelalterliche Eremitagen, romanische Abteien, Steindörfer auf 1.000 Metern, fünf Skistationen. Es ist ein Universum, kein einzelner Berg.
In diesem Reiseführer erzählen wir Ihnen, was die Majella heute ist: die Geografie, die einzigartige Artenvielfalt, der UNESCO-Geopark, die celestinischen Eremitagen, die Vorzeigegemeinden, die Zugänge, die Jahreszeiten – und warum viele italienische Naturforscher sie für den artenreichsten Park des Mittelmeers halten.
Was ist der Nationalpark Majella?
Der Nationalpark Majella ist eines der 24 nationalen Schutzgebiete Italiens und einer der drei Nationalparks Abruzzos, zusammen mit dem Nationalpark Abruzzo, Latium und Molise (PNALM) und dem Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga. Er wurde mit dem Rahmengesetz zu Schutzgebieten vom 6. Dezember 1991, Nr. 394 gegründet, während die eigentliche Parkverwaltung durch Dekret des Präsidenten der Republik vom 5. Juni 1995 geschaffen wurde. Der Sitz der Parkverwaltung befindet sich in Guardiagrele (Provinz Chieti).
Der Park zeichnet sich durch eine seltene territoriale Geschlossenheit aus: Anders als der PNALM, der zersplittert ist und eine unregelmäßige "sternförmige" Gestalt hat, schmiegt sich die Majella um das große kalkige Hauptmassiv, um die Berge des Morrone im Westen, die Monti Pizzi und die Porrara-Gruppe im Osten bis hin zu den Hochebenen im Südwesten Abruzzos. Es ist ein einziger, gewaltiger Steinblock, der visuell die halbe Region beherrscht.
Die institutionellen Kennzahlen
Gesamtfläche: 74.095 Hektar (grünes Herz Abruzzos)
Beteiligte Provinzen: 3 – Chieti (27.396 ha), L'Aquila (23.850 ha), Pescara (22.849 ha)
Gemeinden im Park: 39 insgesamt
Berggemeinschaften: 6 (Peligna, Alto Sangro e Altopiano delle Cinquemiglia, Majella e Morrone, Majelletta, Aventino-Medio Sangro, Medio-Sangro)
Staatliche Naturreservate im Park: 7
Faunistische Bereiche: 5
Mindesthöhe: 130 m (Ufer des Aventino, Vorgebirgstäler)
Maximalhöhe: 2.793 m (Monte Amaro)
Über 2.000 m: 55 % des Parkgebiets
Der aktuelle Präsident ist Lucio Zazzara, der Direktor ist Luciano Di Martino. Die Parkverwaltung betreut das Gebiet über ein Netz aus Besucherzentren, Tierschutzgebieten, Reservaten, markierten Wanderwegen sowie Programmen zur Wiederansiedlung von Tieren und zum Schutz der Pflanzenwelt.
Der UNESCO-Geopark Maiella: der weltweit einzigartige Karbonatsaum
Seit 2021 ist das gesamte Parkgebiet auch UNESCO Global Geopark, offiziell als UNESCO Geopark Maiella bezeichnet. Er gehört zu den wenigen Geoparks Italiens und ist der einzige in Abruzzo. Die UNESCO-Auszeichnung ist kein landschaftlicher Preis, sondern eine wissenschaftliche Zertifizierung: Sie bedeutet, dass die Majella einen globalen geologischen Wert besitzt, vergleichbar mit dem der großen Naturstätten der Erde.
Was macht die Majella geologisch weltweit einzigartig? Die Antwort steckt in einer einzigen Fachformel: der Ablagerungsrand einer Karbonatplattform, der in seiner Vollständigkeit an der Oberfläche beobachtbar ist. Übersetzt bedeutet das: Die Majella bewahrt, vollständig sichtbar an ihrer Oberfläche, die lückenlose Sequenz der Entstehung einer tropischen Karbonatplattform vor Hunderten von Millionen Jahren – vom offenen Meer bis zu den Korallenriffen. Es ist einer der wenigen Orte der Erde, an denen Geologen diese Geschichte kontinuierlich und ohne Unterbrechungen "lesen" können.
Die Geologie in Kürze
Die Kalke der Majella wurden ab vor etwa 100 Millionen Jahren auf dem Grund eines tropischen Meeres voller Leben abgelagert – wovon die zahlreichen Fossilien von Korallen, Muscheln und Meeresorganismen zeugen, die noch heute in den Felsen eingeschlossen sind. Die Orogenese (die Heraushebung des Berges) ist hingegen vergleichsweise jüngeren Datums: Sie geht auf das Pliozän zurück, etwa vor 5 Millionen Jahren, als die tektonischen Kräfte des Apennins diese gewaltige Masse an Sedimentgestein nach oben drückten.
Das Ergebnis ist ein kalkig-dolomitisches Massiv, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:
Weitläufige Gipfelplateaus mit sanft gerundeten Formen, modelliert durch die Gletscher der Eiszeiten (darunter das berühmte Vallone di Femmina Morta auf 2.500 m Höhe, ein schwebendes Hochplateau, einzigartig im Apennin).
Westliche Hänge ohne Täler, durchzogen von breiten Schutthalden, die bis zu den Buchenwäldern hinunterreichen.
Östliche Hänge, sanfter und durch Erosion geformt.
Weit verbreiteter Karst: über 100 erfasste Höhlen mit Stalaktiten, Stalagmiten und unterirdischen Flüssen.
Von Flüssen geschaffene Schluchten: die Orta zwischen Bolognano und San Valentino in Abruzzo Citeriore, der Foro im Chietino, der Aventino Richtung Palena.
Die UNESCO-Geosites
Der Geopark identifiziert Dutzende von Geosites – spezifische Orte von besonderem geologischem Interesse, die der Öffentlichkeit zugänglich sind und mit Informationstafeln und Lehrpfaden ausgezeichnet wurden. Die Gemeinde Palena (Chieti) allein beherbergt fünf davon, verteilt auf ihre Täler, Kalksteinaufschlüsse und Karstgebiete. Weitere Parkgemeinden zählen ebenfalls zahlreiche Geosites: Das vollständige Netz ist ein ständig wachsendes wissenschaftliches Erbe.
Der Gipfel: Monte Amaro, 2.793 m
Der Hauptgipfel des Majella-Massivs ist der Monte Amaro mit 2.793 Metern. Er ist der zweithöchste Apennin-Gipfel nach dem Corno Grande des Gran Sasso (2.912 m) und einer der abgelegensten und wildesten Berge Italiens. Der Gipfel ist durch ein großes Schuttplateau geprägt, mit einer kleinen eisernen Notunterkunft (dem Bivacco Pelino), von der aus man an klaren Tagen Panoramen genießen kann, die von der Adria bis zum Tyrrhenischen Meer reichen.
Die weiteren Hauptgipfel über 2.000 Meter:
Monte Acquaviva: 2.737 m
Monte Focalone: 2.676 m
Monte Rotondo: 2.656 m
Monte Macellaro: 2.646 m
Cima delle Murelle: 2.598 m
Monte Cavallo: 2.171 m
Insgesamt zählt der Park rund 30 Gipfel über 2.000 Meter. Die Besteigung des Monte Amaro gilt als eine der anspruchsvollsten Wanderungen des zentralen Apennins: Höhenunterschied von über 1.500 Metern, 8–10 Stunden hin und zurück, Hochgebirgscharakter auch im Hochsommer. Der meistbegangene Weg startet am Blockhaus (Passo Lanciano-Maielletta) und führt über die berühmte Tavola dei Briganti auf 2.118 Metern, große Felsplatten, in die Räuber des 19. Jahrhunderts ihre Namen und Daten eingeritzt haben – Zeugnisse, die noch heute sichtbar sind.
Die Artenvielfalt: der artenreichste Park des Mittelmeers
Der Nationalpark Majella gilt als eines der bedeutendsten Biodiversitäts-Hotspots des Mittelmeers. Die Zahlen sind beeindruckend.
Flora: 2.100 Arten und 5 exklusive Endemismen
Es wurden über 2.100 Pflanzenarten und -unterarten erfasst – ein botanisches Erbe, das folgendem entspricht:
~30 % der italienischen Flora
~65 % der Abruzzeser Flora
~17 % der europäischen Flora
Eine außergewöhnliche Artendichte, die auf die Vielfalt der Lebensräume (von 130 bis 2.793 Meter Höhe), auf die Funktion als "Glazialrefugium" in vergangenen Epochen sowie auf das Zusammentreffen mediteraner, montaner und kontinentaler Klimaeinflüsse zurückzuführen ist.
Unter den Arten zählt der Park 142 Endemismen (Pflanzen, die nur in begrenzten Gebieten vorkommen), und davon sind 5 ausschließlich im Parkgebiet heimisch, das heißt, sie finden sich nirgendwo sonst auf der Welt:
Soldanella del calcare (Soldanella minima subsp. samnitica) – kleine weiße Blüte der Kalkhochlagen.
Pinguicula di Fiori (Pinguicula fiorii) – fleischfressende Pflanze feuchter Lebensräume.
Fiordaliso della Majella (Centaurea tenoreana) – botanisches Symbol des Parks, violette Hochgebirgsblüte.
Radicchiella della Majella (Crepis magellensis) – kleine endemische Korbblütenart.
Ranuncolo multidentato (Ranunculus multidens) – gelbe Blüte der alpinen Matten.
Weitere rund 300 Arten stehen auf den Roten Listen gefährdeter Spezies und werden durch internationale Übereinkommen geschützt. Der Park beherbergt auch Uraltbestände von Wäldern – Reste aus Buchen- und anderen Wäldern, die sich über lange Zeiträume ohne menschliche Eingriffe entwickelt haben und heute in Europa äußerst selten geworden sind.
Fauna: 78 % der Säugetiere Abruzzos, 200 Vogelarten
Die Tierwelt ist der Pflanzenwelt ebenbürtig. Der Park beherbergt:
Über 150 Wirbeltierarten
Über 200 Vogelarten
78 % der in Abruzzo vorkommenden Säugetierarten
Über 45 % der italienischen Säugetiere
Die Schlüsselarten des Parks umfassen alle großen Raubtiere und Huftiere des zentralen Apennins:
Marsicanischer Braunbär (Ursus arctos marsicanus): die endemische Unterart des zentralen Apennins, von der nur noch 50–60 Exemplare insgesamt existieren. Die Majella ist eines ihrer entscheidenden Territorien, in ökologischer Verbindung mit dem PNALM.
Apennin-Wolf (Canis lupus italicus): stabil vorhanden mit mehreren Rudeln.
Apennin-Gämse (Rupicapra pyrenaica ornata): erfolgreich wiederangesiedelt, zählt heute mehrere Hundert Exemplare.
Rothirsch und Reh: in beachtlicher Zahl vorhanden.
Eurasischer Fischotter: in den Flusstälern geschützt, vor allem im Valle dell'Orfento.
Wildkatze: in den Urwäldern vorhanden.
Steinadler: nistet in den Kalkwänden, mehrere überwachte Paare.
Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus): Hochgebirgsvogel, ornithologisches Symbol des Parks.
Die 5 Tiergehege des Parks ermöglichen es, einige dieser Tiere in kontrolliertem Habitat aus nächster Nähe zu erleben: das Wolfsgehege in Popoli, das Bärengehege in Palena, das Gämsengehege in Lama dei Peligni, das Fischotter-Gehege in Caramanico Terme. Sie sind besuchbar und familienfreundlich.
Die Eremitagen: die Majella des Pietro da Morrone
Die Majella ist nicht nur Natur. Sie ist auch, seit mindestens tausend Jahren, ein spiritueller Berg. Ihre Täler und Felsklüfte haben über Jahrhunderte Einsiedler, Anachoreten und Mönche auf der Suche nach Stille beherbergt. Der bekannteste von allen war Pietro da Morrone: um 1209–1215 in Molise geboren, schon früh in die Einsiedelei auf der Majella zurückgezogen, Gründer des Celestinerordens und schließlich 1294 unter dem Namen Coelestin V. zum Papst gewählt. Wenige Monate später vollzog er – in einem in der Kirchengeschichte bis Benedikt XVI. einzigartigen Akt – den Verzicht auf das Papsttum, um zu seinem Einsiedlerleben auf der Majella zurückzukehren.
Die Täler der Majella bewahren noch heute die celestinischen Eremitagen, die Pietro aufsuchte und in einigen Fällen persönlich gründete. Die wichtigsten, alle in der Gemeinde Roccamorice (Pescara):
Eremo di San Bartolomeo in Legio: in eine senkrechte Felswand eingebettet, nur zu Fuß über einen in den Fels gehauenen Pfad erreichbar. Im Inneren befindet sich eine Quelle, eine uralte Holzfigur und eine Atmosphäre, die der vor acht Jahrhunderten identisch geblieben ist.
Eremo di Santo Spirito a Majella: die größte und architektonisch komplexeste der celestinischen Eremitagen. Pietro lebte hier lange Zeit; hier gründete er den ersten Kern des Celestinerordens. Er umfasst Kirche, Refektorium, Mönchszellen und eine Heilige Treppe.
Eremo di Sant'Onofrio al Morrone: gehört technisch zum Morrone (westlicher Parkhang), in der Nähe von Sulmona. Hier erreichte Pietro 1294 die Nachricht von seiner Papstwahl.
Hinzu kommen zahlreiche weitere kleinere Eremitagen im gesamten Gebiet: der Eremo della Madonna dell'Altare (Palena), der Eremo di San Giovanni all'Orfento (Caramanico), der Eremo della Stella (Palombaro) und andere.
Das celestinische Geistesleben ist auch der Ursprung der Perdonanza Celestiniana in L'Aquila (28.–29. August), seit 2019 immaterielles UNESCO-Welterbe und einer der ältesten Plenarablässe der Christenheit. Die Eremitagen und spirituellen Wanderwege werden wir in einem eigenen Begleitartikel vertiefen.
Die romanischen Abteien
Neben den Eremitagen bewahrt der Park einige der bedeutendsten Abteien des mittelalterlichen Abruzzos.
Abtei San Liberatore a Majella (Serramonacesca)
Eine der ältesten Abteien Abruzzos. Das ursprüngliche Gebäude geht auf die Epoche Karls des Großen (9. Jahrhundert) zurück, wurde 990 durch ein Erdbeben zerstört und Anfang des 11. Jahrhunderts in den romanischen Formen wiederaufgebaut, die heute zu sehen sind. Sie liegt in Serramonacesca, in einer Naturlandschaft von seltener Schönheit, abseits in den Tälern gelegen. Das Innere bewahrt ein wunderschönes kosmateskes Mosaikpflaster aus dem 12. Jahrhundert und eine gemeißelte Kanzel. Für einen Besuch muss man den Schlüssel beim Pfarrer von Serramonacesca erfragen: Es ist eines jener zeitlosen Erlebnisse, die die Majella neugierigen Reisenden bereithält.
Abtei Santa Maria Arabona (Manoppello)
Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert, eine der ersten Gründungen des Ordens in Mittelitalien. Strenge und lichtdurchflutete Architektur mit frühen gotischen Elementen. Manoppello ist auch berühmt für das Volto Santo, das wundertätige Bildnis, das im Heiligtum des Volto Santo (getrennt von der Abtei) aufbewahrt wird und nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 intensive Wallfahrten anzieht.
Die 39 Gemeinden: die Borghi der Majella
Der Nationalpark Majella umfasst 39 Gemeinden, verteilt auf drei Provinzen. Es ist unmöglich, alle auf einer einzigen Reise zu besuchen, aber einige sind unverzichtbare Etappen.
Caramanico Terme (PE) – Thermalbad im Herzen des Parks
Die strategisch wichtigste Gemeinde für alle, die die zentrale Majella erkunden möchten. Caramanico beherbergt die Terme di Caramanico, ein historisches Thermalbad mit schwefelhaltigem Salz-Brom-Jod-Wasser, das zu den renommiertesten Italiens zählt. Hier befindet sich ein Besucherzentrum des Parks mit geologischem Museum, Rekonstruktionen des Lebensraums des europäischen Fischotters (geschützte Art im Valle dell'Orfento) und einer archäologischen Abteilung mit Funden aus dem Altpaläolithikum. Von hier starten die Wanderwege ins Staatsliche Naturreservat Valle dell'Orfento, einen der wildesten und eindrucksvollsten Orte des Parks.
Pacentro (AQ) – Eines der schönsten Dörfer Italiens
Auf 690 Metern Höhe am östlichen Hang des Morrone gelegen, ist Pacentro in der Liste der schönsten Dörfer Italiens eingetragen. Überragt vom Castello Caldora-Cantelmo mit seinen Türmen aus dem 15. Jahrhundert, verfügt es über ein prachtvoll erhaltenes mittelalterliches Ortszentrum. Es beherbergt die Corsa degli Zingari, eine alte Tradition des Barfußlaufens über die Felsen, die am ersten Septembersonntag stattfindet. Von Pacentro starten Wandertouren zum Morrone.
Pescocostanzo (AQ) – Eines der schönsten Dörfer Italiens
Auf 1.395 Metern Höhe ist es eines der höchstgelegenen Dörfer Abruzzos und eines der elegantesten – ebenfalls in der Liste der schönsten Dörfer Italiens. Steinernes Ortszentrum mit renaissancezeitlichem Hauptplatz, die Basilika Santa Maria del Colle mit ihrer goldenen Kassettendecke, das handwerkliche Erbe des Tombolo (Klöppelspitze). Unmittelbar beim Ort liegt das Regionale Naturreservat Bosco di Sant'Antonio, ein jahrhundertealter Buchenwald, der 1986 unter Schutz gestellt wurde. Pescocostanzo ist auch eine der 5 Skistationen des Parks.
Palena (CH) – Eines der schönsten Dörfer Italiens (2024) und Hauptstadt der Geosites
Im August 2024 wurde Palena als schönstes Dorf Italiens ausgezeichnet. Es ist die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde der Provinz Chieti mit über 93 km², durchflossen vom Fluss Aventino, an dem Fluss-Trekking praktiziert wird. Auf dem Gemeindegebiet liegen 5 Geosites des UNESCO-Geoparks Maiella. Im Ort ist das Teatro Aventino aus dem 18. Jahrhundert mit seinen 96 Plätzen eines der kleinsten Theater Italiens. Das Castello Ducale beherbergt das Geopaleontologische Museum Alto Aventino, eine Pinakothek und das Museo della Ceramica.
Roccamorice (PE) – Hauptstadt der Eremitagen
Kleines Dorf auf 525 Metern Höhe, ist es der Ausgangspunkt für die celestinischen Eremitagen San Bartolomeo in Legio und Santo Spirito. Bekannt auch für seine Kletterfelsen, die von Bergsteigern aufgesucht werden, und für die wilde Natur der umliegenden Täler.
Lettomanoppello (PE) – Eremitagen und Höhlen
Bekannt für seine Felseremitagen, die Karsthöhlen und den Naturpark Sorgenti del Lavino, wo intensiv blaues Wasser aus dem Boden quillt und natürliche Becken schafft, die fotografisch spektakulär sind. Beherbergt ein Informationszentrum des Parks.
Manoppello (PE)
Sitz der Zisterzienserabtei Santa Maria Arabona und des Heiligtums des Volto Santo. Seit 2006 ein internationaler Wallfahrtsort.
Popoli (PE)
Nordwestliches Eingangstor des Parks. Beherbergt das Wolfszentrum, das Castello Ducale Cantelmo und das eindrucksvolle Naturreservat Sorgenti del Fiume Pescara, wo Abruzzos größter Fluss in einer Wasseroase von seltener Schönheit entspringt.
Sant'Eufemia a Majella (PE)
Beherbergt das Besucherzentrum mit dem Botanischen Garten Daniela Brescia, wo die Berglebensräume der Majella nachgebildet sind und das Herbarium über 1.000 Pflanzenproben aus Abruzzo enthält. Auf dem Gemeindegebiet ist das verlassene Dorf Roccacaramanico (über 1.000 m Höhe) in den letzten zwanzig Jahren als Ziel des sanften Tourismus zu neuem Leben erwacht.
Serramonacesca (PE)
Sitz der Abtei San Liberatore a Majella. Sehenswert sind auch die Einsiedelei Sant'Onofrio (gleichnamig, aber verschieden von der bekannteren am Morrone), die Felsgräber am Fluss Alento und die Reste von Castel Menardo.
Sulmona (AQ) – westliches Eingangstor des Parks
Sulmona liegt nicht innerhalb des Parks, ist aber dessen wichtigstes westliches Eingangstor. Stadt Ovids, Heimat der Confetti di Sulmona, ideale Basis zur Erkundung des Morrone-Hangs (einschließlich des Eremo di Sant'Onofrio, wo Coelestin V. die Nachricht seiner Papstwahl ereilte). Sulmona werden wir in einem eigenen Artikel vertiefen. Zum ausführlichen Artikel
Die 4 Zugänge zum Park
Die Majella ist von vier Seiten erreichbar, jede mit eigenen Merkmalen:
Sulmona – Westseite: Hauptzugang von L'Aquila, Rom und der tyrrhenischen Küste. Von Sulmona gelangt man zum Morrone und dann zur eigentlichen Majella. Bahnhof Sulmona gut mit Rom verbunden (Frecciarossa über Pescara).
Pescocostanzo – Südseite: Eingang zum Alto Sangro und den Cinquemiglia-Hochebenen. Von Roccaraso sind es nur wenige Kilometer bis Pescocostanzo. Idealer Zugang für Besucher aus Süditalien.
Guardiagrele – Ostseite: Chietiner Eingang des Parks, wo sich der Sitz der Parkverwaltung befindet. Von Guardiagrele erreicht man Pennapiedimonte, Lama dei Peligni, Palena, Fara San Martino.
Lettomanoppello – Nordseite: Pescaraer Eingang, in der Nähe der Autobahn A25 und des Flughafens Pescara. Der am schnellsten von der Adriaküste erreichbare Zugang.
Die 4 Zugänge lassen sich auf einer Rundroute um das Massiv herum befahren: eine Strecke von etwa 200 km zwischen Panoramastraßen, Dörfern, Eremitagen und Besucherzentren. Wir empfehlen sie all jenen, die 3–5 Tage Zeit haben und sich einen Gesamtüberblick über den Park verschaffen möchten.
Die 5 Skistationen
Die Majella ist im Winter auch ein Skigebiet. Es gibt 5 Skistationen im Park, geografisch nicht miteinander verbunden:
Passolanciano-Maielletta (chietinischer Hang): die bekannteste und meistbesuchte, mit Pisten bis auf 2.000 Meter.
Passo San Leonardo (peligninischer Hang): zwischen Pacentro und Pescocostanzo.
Pescocostanzo: mit dem Dorf verbundene Pisten, Langlauf und Abfahrt.
Pizzoferrato-Gamberale (chietinischer Hang).
Campo di Giove (aquilanischer Hang).
Für Ski auf höchstem Niveau (Weltcup) bleibt Roccaraso das abruzzesische Aushängeschild (technisch im Alto Sangro, aber direkt an den Park angrenzend), mit dem Skiverbund Skipass Alto Sangro, dem größten Skigebiet des Apennins. Das Skifahren in Abruzzo werden wir in einer eigenen Artikelserie vertiefen.
Die wichtigsten Wandertouren
Monte Amaro
Die Königswanderung des Parks. Vom Blockhaus auf 2.000 Metern, Weg 1, über den Monte Cavallo, die Tavola dei Briganti, die Sella Acquaviva bis zum Gipfel. Höhenunterschied 800 Meter, 8–10 Stunden Hin- und Rückweg, Schwierigkeitsgrad EE (Erfahrene Wanderer), nur im Sommer (Juni–September).
Valle dell'Orfento (Caramanico)
Eine der wildesten Schluchten des Apennins. Ein Weg, der dem Fluss Orfento durch Buchenwälder, Riesenkesselstrudel und Felseremitagen folgt. Verschiedene Schwierigkeitsgrade, Ausgangspunkt am Besucherzentrum Caramanico. Mögliche Begegnungen mit Hirschen, Rehen und – selten – Bären.
Gole di Fara San Martino
Am chietinischen Hang, im Gebiet von Fara San Martino, sind die Gole di Fara San Martino ein einzigartiges Naturschauspiel: ein sehr enger Canyon (an manchen Stellen nur wenige Meter breit), den der Fluss Verde zwischen 200 Meter hohen Kalkwänden gegraben hat. Für alle zugänglich auf den ersten 500 Metern, perfekte Familienausflug.
Grotta del Cavallone
Am chietinischen Hang, in Taranta Peligna. Eine der höchstgelegenen touristischen Karsthöhlen Europas (Eingang auf 1.475 m). Geführte Besichtigung von etwa einer Stunde auf einem ausgeschilderten Innenweg. Typischerweise von April bis Oktober geöffnet.
Runde des Morrone
Mehrtägige Wanderung über das Morrone-Massiv (Westseite des Parks), mit Etappe an den celestinischen Eremitagen und dem Heiligtum von Ercole Curino. Ein Rundweg von historischem wie auch naturkundlichem Interesse.
Menschliche Besiedlung: 800.000 Jahre Geschichte
Die Majella wurde seit dem Altpaläolithikum, vor etwa 800.000 Jahren, vom Menschen frequentiert, als Jäger-Sammler-Gruppen der Spezies Homo erectus die natürlichen Ressourcen des Berges nutzten. Überreste dieser Besiedlung sind in den Besucherzentren des Parks erhalten.
Die Landwirtschaft entstand im Gebiet der Majella wie im übrigen Abruzzo zwischen dem 6. und dem 5. Jahrtausend v. Chr.: der Übergang vom Jäger-Sammler zum Bauern und Viehzüchter, eine der größten Revolutionen der Menschheitsgeschichte. Von da an begann der Mensch, die Umwelt der Majella nach seinen Bedürfnissen zu gestalten: Es entstanden die ersten Dauersiedlungen, Weidegründe, Terrassenfelder und Wege.
In der italischen und römischen Epoche ist die Majella Territorium des Volkes der Marruciner und Frentaner. Sulmona ist die Heimat Ovids (43 v. Chr.), und Corfinio (heute im Park) war für wenige Monate Hauptstadt der Italischen Konföderation während des Bundesgenossenkriegs (90–88 v. Chr.).
Im Mittelalter wird die Majella zum heiligen Berg mit ihren Eremitagen und Abteien. Im Risorgimento bot das Massiv den nachunifikatorischen Räubern Zuflucht (die berühmte Tavola dei Briganti auf 2.118 m zeugt noch heute von dieser Geschichte). Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte die Majella die Brigata Maiella, eine Partisanenformation, die mit der Goldmedaille für militärische Tapferkeit ausgezeichnet wurde und zwischen Casoli und den inneren Tälern gegen die deutsche Besatzung kämpfte.
Wann besuchen und wie planen
Frühling (April–Juni)
Ideale Zeit für Wandertouren, Blüten und Tierbeobachtungen. Die Temperaturen sind mild, die Täler grün, die Hochgebirgsblumen blühen zwischen Ende Mai und Juni in voller Pracht. Mögliche Schneereste über 2.000 m bis in den Juni.
Sommer (Juli–August)
Hochsaison. Die höheren Lagen sind voll zugänglich, die Nächte auch im Hochsommer frisch, die Dörfer belebt. Gastronomische Dorffeste und Festivals füllen den Kalender. Frühzeitig buchen für Unterkünfte und Restaurants in Caramanico, Pescocostanzo, Pacentro, Roccaraso.
Herbst (September–November)
Prächtige Jahreszeit für das Herbstlaub der Buchenwälder. Zwischen Oktober und November werden die Hänge zu einer Palette aus Rot, Orange und Gelb. Wanderungen in den tiefen und mittleren Lagen weiterhin möglich. Beginn der Thermalsaison.
Winter (Dezember–März)
Skifahren, Schneeschuhwandern, Thermalbäder. Fünf Skistationen in Betrieb, spektakuläre Schneepanoramen. Einige Eremitagen und Hochgebirgslagen sind durch Schnee unzugänglich, aber der östliche Hang auf niedrigeren Höhen bleibt besuchbar.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen dem Nationalpark Majella und dem PNALM?
Es sind zwei eigenständige Nationalparks, die aneinandergrenzen, aber getrennt sind. Die Majella liegt weiter östlich und umfasst das gleichnamige Massiv sowie Morrone, Pizzi-Porrara, in 3 Provinzen. Der PNALM (Nationalpark Abruzzo, Latium und Molise) liegt südlicher und umfasst das obere Sangrotal, mit Gebieten auch in Latium und Molise. Die Majella ist UNESCO-Geopark, der PNALM nicht. Sie ergänzen sich: Häufig werden beide auf einer Kombinationsreise besucht.
Kann man Bären in freier Wildbahn sehen?
Theoretisch ja, in der Praxis ist es sehr selten. Der marsicanische Bär ist scheu, nachtaktiv und in sehr begrenzter Zahl vorhanden (50–60 Exemplare insgesamt im zentralen Apennin zwischen Majella und PNALM). Die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Begegnung beim Wandern ist äußerst gering. Um Bären mit höherer Wahrscheinlichkeit zu sehen, empfiehlt sich ein Besuch der Tiergehege des Parks (Palena), wo nicht freilassbare Exemplare in einem eingezäunten natürlichen Habitat sichtbar sind.
Was kostet der Eintritt in den Park?
Der Zugang zum Park ist kostenlos. Kosten entstehen für Einzelleistungen: Führungen, Besucherzentren (einige kostenpflichtig, andere kostenlos), Touristenhöhlen (Grotta del Cavallone), Terme di Caramanico, Skistationen.
Ist der Park für Familien mit Kindern geeignet?
Absolut. Viele Wege sind kurz und einfach (Sorgenti del Lavino, Gole di Fara San Martino erste 500 m, Wege rund um den Bosco di Sant'Antonio), die Tiergehege sind ein hervorragendes Lernerlebnis für Kinder, die Terme di Caramanico haben familienfreundliche Angebote. Das Thema Abruzzo mit Kindern werden wir in einer eigenen Artikelserie vertiefen.
Welche Risiken bestehen beim Wandern im Hochgebirge?
Über 2.000 Metern ist die Majella echtes Hochgebirge: plötzliche Sommergewitter, Nebel, der die Sicht auf wenige Meter reduziert, Schneereste bis in den Juni, instabiler Schuttboden. Informieren Sie sich immer vorab an den Besucherzentren des Parks, brechen Sie in der Früh auf, tragen Sie geeignete Ausrüstung und überprüfen Sie die Wettervorhersage. Für den Monte Amaro und ähnliche Gipfel wird ein Wanderführer empfohlen.
Kann man in der Höhe biwakieren?
Das Bivacco Pelino auf dem Gipfel des Monte Amaro ist eine kleine Metallhütte, immer offen, kostenlos und als Notunterkunft gedacht. Für erfahrene Wanderer für eine Übernachtung geeignet. Für komfortablere Übernachtungen gibt es bewirtschaftete Berghütten am chietinischen Hang (Rifugio Pomilio, Rifugio della Maielletta) und am aquilanischen Hang.
Gibt es mehrtägige Wanderwege?
Ja. Der Cammino dei Briganti führt durch Teile des Parks. Der Sentiero Italia CAI hat bedeutende Abschnitte in der Majella. Der Cammino di San Tommaso berührt einige celestinische Eremitagen. Wir werden darüber in einem eigenen Artikel über Wanderwege in Abruzzo berichten.
Ist die Majella mit dem Gran-Sasso-Park verbunden?
Geografisch sind sie durch das Tal des Flusses Pescara (Autobahn A25) getrennt. Es gibt jedoch ökologische Korridore zwischen den beiden Parks, die für die Fauna (Bär, Wolf) von grundlegender Bedeutung sind. Aus touristischer Sicht ist es leicht, beide Parks auf einer einzigen Reise zu kombinieren (1–2 Autostunden voneinander entfernt).
Entdecken Sie die Majella mit Stravagando
Die Majella ist eines der erlebnisreichsten Gebiete Italiens: Hochgebirgswanderungen, mittelalterliche Eremitagen, romanische Abteien, Steindörfer auf 1.000 Metern, Thermalbäder, Skifahren, einzigartige Wildtiere, Bergküche. Wer sie wirklich kennenlernen möchte – über Besucherzentren und markierte Wege hinaus – sollte sich an diejenigen wenden, die diese Orte aus nächster Nähe kennen: Wanderführer, Hüter der Eremitagen, Hüttenwirte, Gastgeber von Agriturismi in den Parkgemeinden.
Stravagando ist der italienische Marktplatz für Erlebnisse wie diese: geführte Trekkings, Sonnenuntergangs-Wanderungen, Schneeschuhtouren, Foto-Workshops, thematische Besichtigungen, Aufenthalte in alten Dörfern, geleitet von sorgfältig ausgewählten lokalen Gastgebern. Wir bauen in diesen Wochen unseren Katalog der Erlebnisse in den Abruzzen auf— die Majella eingeschlossen — und in den nächsten Monaten werden Sie direkt hier buchen können.
In der Zwischenzeit, wenn Sie Gastgeber, Naturführer oder lokale Reiseveranstalter sind und Teil unseres Netzwerks werden möchten, schreiben Sie uns: wir suchen genau Sie.
Und wenn Sie Reisender sind, abonnieren Sie den Stravagando-Newsletter: Wir benachrichtigen Sie, sobald die ersten Erlebnisseauf der Majella online buchbar sind — mit transparenten Preisen, zertifizierten Gastgebern und einer redaktionellen Kuration, die wir Ihnen anders versprechen als bei den großen Generalisten-Marktplätzen.
Zur Vertiefung: der Reiseführer zu den typischen Produkten Abruzzos (der Pecorino di Farindola wird an den Grenzen der Majella hergestellt, der Safran aus L'Aquila in unmittelbarer Nähe); der Pecorino di Farindola; der Zafferano dell'Aquila DOP; die celestinischen Eremitagen, das Valle dell'Orfento, der Monte Amaro und die Vorzeige-Borghi der Majella.
Gute Reise.