- Startseite
- /Blog
- /Reisen & Reiseziele
- /Gole di Fara San Martino und Grotta del Cavallone: die Ostseite der Majella
Gole di Fara San Martino und Grotta del Cavallone: die Ostseite der Majella
Der 300 Meter tiefe Canyon, die benediktinische Abtei aus dem 9. Jahrhundert und eine der höchstgelegenen Schauhöhlen Europas: die zwei Geosites der östlichen Majella

Es gibt Orte in der Majella, die einen treffen wie ein plötzlicher, eiskalter Windstoß – und einen nicht mehr loslassen. Die Gole di Fara San Martino gehören dazu. Ein tiefer Canyon, den der Torrente Verde ins Herz der östlichen Majella gegraben hat, mit Kalksteinwänden bis zu 300 Metern Höhe und einem Eingang von gerade einmal zwei Metern Breite – die "Felsspalte", durch die der Legende nach San Martino mit bloßer Kraft seiner Arme den Weg öffnete, damit die Hirten ihre Weiden erreichen konnten. Wenige Kilometer weiter südlich, oberhalb von Lama dei Peligni und Taranta Peligna, öffnet die Grotta del Cavallone ihren pferdeaugenförmigen Eingang auf 1.475 Metern Höhe – eine der höchstgelegenen Schauhöhlen Europas, erreichbar nur mit einer Sesselbahn aus den 1970er-Jahren, die über das Vallone di Taranta schwebt. Zusammen bilden sie die zwei spektakulärsten Geosites der östlichen Majella, beide Teil des UNESCO Global Geopark, der im April 2021 anerkannt wurde.
In diesem Reiseführer stellen wir Ihnen beide vor: wie Sie hingelangen, was Sie auf den Wegen erwartet, die verborgenen Abteien, die faszinierende Geschichte von D'Annunzios Figlia di Iorio, die der Höhle ihren poetischsten Beinamen gab, Besuchszeiten, Kosten – und warum es sich lohnt, beide an einem einzigen unvergesslichen Tag zu kombinieren.
Die Gole di Fara San Martino: das östliche Tor der Majella
Fara San Martino ist ein kleines Borgo (altes Dorf) mit etwas mehr als tausend Einwohnern in der Provinz Chieti, weltweit vor allem aus einem Grund bekannt: Hier haben drei der bedeutendsten italienischen Nudelfabriken ihren Sitz – De Cecco, Delverde und Cocco – die den Ort zur "Welthauptstadt der Pasta" gemacht haben. Das makellos reine, mineralstoffreiche Wasser der Quellen des Verde ist der historische Grund für diese Konzentration. Doch wer hier zum ersten Mal ankommt, entdeckt schnell, dass Pasta nicht das einzige Wunder von Fara ist: Hinter dem Dorf öffnet sich einer der spektakulärsten Canyons des Apennin, der im UNESCO-Dossier des Majella Geopark als Geosite von internationalem Wert anerkannt wurde.
Anreise zu den Gole
Von Pescara: 1 Stunde mit dem Auto über die SS81 Richtung Lanciano, dann SP25 bis Fara San Martino. Von Rom: 2,5 Stunden über A24-A25 bis Pratola Peligna, dann SS84 durch Palena bis Fara San Martino. Von der Adriaküste: ab der A14-Ausfahrt Val di Sangro 30 Minuten den Schildern nach Lanciano und dann Fara San Martino folgen. Mit dem Zug ist der Ort nicht direkt erreichbar: Der nächste Bahnhof ist Lanciano, von dort mit Bus oder Taxi (ca. 30 km).
Im Dorf sind die Hinweisschilder zu den Gole eindeutig. Der Einstieg in den Weg befindet sich an den Quellen des Fiume Verde, wo ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz wartet (Stundentarif ca. 1 €, Tagespauschale 4 € für Autos, 10 € für Wohnmobile). Der Parkplatz erstreckt sich über mehrere Ebenen: Selbst in der Hochsaison findet man einen Platz, aber im Juli und August empfiehlt sich eine Ankunft vor 9 Uhr, um Schlangen zu vermeiden. Vom Parkplatz führt ein 10-minütiger Spaziergang auf einem Schotterweg bis zum Eingang der Gole.
Der Basisweg: für die ganze Familie
Der Basisweg, der durch die Schlucht führt und bis zu den Überresten der Abtei San Martino in Valle reicht, ist einfach und für jeden geeignet – auch Familien mit Kindern. Etwa 3 km Hin- und Rückweg, ein vernachlässigbarer Höhenunterschied von 100–150 Metern, in 2 Stunden einschließlich Pausen zu bewältigen. Einstufung des Parks: T-Turistico, die leichteste Kategorie.
Das Erlebnis am Eingang ist dennoch besonders. Nach den ersten Metern des Weges verengen sich die Felswände auf eine Öffnung von nur 2 Metern – der Punkt, an dem der christlichen Legende nach San Martino die Felsen mit den Armen öffnete. Wenn Sie die Arme ausstrecken, berühren Sie beide Wände gleichzeitig: ein einzigartiges körperliches Erlebnis, das für Menschen mit Platzangst fast beklemmend ist – unmittelbar gefolgt von der Öffnung des inneren Tals, die einem den Atem verschlägt.
Zu Ihrer Sicherheit wird das Tragen eines Schutzhelms dringend empfohlen: Das Risiko herabfallender kleiner Steine von den Wänden ist real, besonders nach starken Regenfällen oder im Spätwinter, wenn das Tauwetter Geröll löst. Der Infopoint am Eingang verleiht Helme zu symbolischen Preisen (1–2 €).
Die Abtei San Martino in Valle
Wenn Sie weiter durch den Canyon wandern, erreichen Sie nach etwa 15–20 Gehminuten die Überreste der benediktinischen Abtei San Martino in Valle, die in den letzten zwanzig Jahren durch eine umfangreiche archäologische Ausgrabungskampagne ans Licht kamen. Die ersten dokumentierten Nachrichten reichen bis ins Jahr 829 n. Chr. zurück, als das Kloster bereits in benediktinischen Pergamenten erwähnt wurde. Der Komplex war ein Jahrtausend lang in Betrieb und ununterbrochen bis 1818 bewohnt, als eine verheerende Überschwemmung des Torrente Verde ihn zerstörte und zum endgültigen Verlassen zwang.
Heute sieht man die Reste der Mauern, die Grundmauern der Kirche, das Wasserkanalisationssystem und einige Originalböden. Die Abtei erinnert still daran, dass die Natur keine Rücksicht nimmt: Derselbe Bach, der das Kloster jahrhundertelang ernährte, tilgte es in einer einzigen Winternacht. Das Flussbett unter den Ruinen liegt im Sommer trocken, wird im Winter aber wieder aktiv und gibt noch heute eine Ahnung von der Kraft, die den Komplex zerstörte.
Für erfahrene Wanderer: vom Canyon zum Monte Amaro
Wer etwas Anspruchsvolleres sucht, findet in den Gole den Ausgangspunkt des Weges H1, der anspruchsvollsten Route des gesamten Nationalparks Majella: Er führt auf den Gipfel des Monte Amaro auf 2.793 Metern, den zweithöchsten Gipfel des Apennin. Strecke: 14–15 km, Höhenunterschied 2.300–2.400 Meter, durchschnittliche Zeit 9 Stunden (nur Hinweg), Schwierigkeitsgrad EE (Erfahrene Wanderer). Ausschließlich für Bergwanderer mit Erfahrung, Wegekenntnis und angemessener Ausrüstung.
Wer nicht so hoch hinaus will, aber dennoch mehr als den Basisweg sucht, findet eine mittlere Option: der Aufstieg bis zur Bocca dei Valloni (2,5 Stunden, 1.050 Meter Höhe), der herrliche Panoramen bietet, ohne alpines Gerät zu erfordern. Auch der Weg H3 von der Bocca ermöglicht interessante Querverbindungen in die Gegend der Grotta del Cavallone über Colle Incotto.
Die Quellen des Verde: Picknick neben dem Canyon
Nach Ihrer Rückkehr zum Parkplatz sollten Sie sich Zeit für die Quellen des Fiume Verde nehmen, die sich direkt daneben befinden. Sie sind ein UNESCO-Geosite des Majella Geopark: kristallklares Wasser in smaragdgrünen Tönen, das direkt aus dem Felsen quillt, seine intensive Farbe den Algen und gelösten Mineralien verdankend. Das Gebiet ist mit Tischen und Bänken für Picknicks ausgestattet, im Schatten alter Bäume, neben dem reinsten Wasser. Es ist einer der beliebtesten Plätze der Einheimischen im Sommer: Das Wasser ist eisig kalt (12–14 °C selbst im August) – ideal, um nach der Wanderung die Füße zu kühlen. Diese Quellen haben über Jahrhunderte Mühlen und Walkmühlen der Wollverarbeitung von Fara gespeist – von einer davon, der Gualchiera Orsatti, sind heute noch die originalen Maschinen zu besichtigen.

Die Grotta del Cavallone: im Bauch des Berges auf 1.475 Metern
Dreißig Autofahrtminuten trennen Fara San Martino von Taranta Peligna, der Zugangsgemeinde zur Grotta del Cavallone. Die Fahrt führt durch winzige Dörfer, tiefe Täler und Panoramen, die an die wahre Seele des inneren Abruzzos erinnern. Man erreicht Pian di Valle auf 750 Metern Höhe an der SS84 Frentana: Hier befindet sich die Talstation der Sesselbahn.
Die Sesselbahn: eine der letzten in Europa
Die Sesselbahn "Colle Rotondo-Cavallone" ist keine gewöhnliche Seilbahn, sondern ein System aus "Körben" (Zweipersonen-Gondeln) – eine in Europa äußerst seltene Anlage: Nur noch vierzig davon sind auf dem gesamten Kontinent in Betrieb, und in wenigen Jahren werden viele verschwunden sein. 1978 erbaut, nach einer langen Umweltdebatte zur Förderung des Tourismus rund um die Höhle, ersetzte sie das frühere System aus Maultieren und Schlitten, das noch bis in die 1970er-Jahre Besucher durch das Vallone transportierte.
Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten, steigt von 750 auf 1.388 Meter (638 Meter Höhenunterschied) und durchquert das Vallone di Taranta mit atemberaubendem Blick auf die Kalksteinwände der Majella. Kapazität pro Gondel: maximal 2 Personen. Für Personen mit Höhenangst nicht empfehlenswert, da die langsame Bewegung und die Höhe über den Steilhängen Unbehagen verursachen können. Für alle anderen ist es ein einzigartiges Erlebnis, das an alte Bergbahnanlangen erinnert.
Von der Sesselbahn bis zum Höhleneingang
Mit der Ankunft an der Bergstation auf 1.388 Metern ist die Reise noch nicht zu Ende. Von hier geht es zu Fuß etwa 10 Minuten einen ansteigenden Weg entlang, dann eine Treppe mit 270 Stufen, die in die Felswand gehauen und an den steilsten Stellen aus Holz gebaut ist, bis zum Eingang der Höhle auf 1.475 Metern. Dieses Detail ist entscheidend: Die Eingangshöhe von fast 1.500 Metern macht die Grotta del Cavallone zu "einer der höchstgelegenen zugänglichen Naturhöhlen Europas", so die offizielle Einstufung der Associazione Nazionale Città delle Grotte. (Achtung: Sie ist nicht "die höchste" schlechthin – sie gehört zu den höchstgelegenen, eine Unterscheidung, die manche Tourismusquellen gerne verwischen.)
Der pferdeförmige Eingang
Der Eingang der Grotta del Cavallone ist unvergesslich: Er ragt aus der senkrechten Felswand wie ein riesiges Raubvogelnest. Von der Seite betrachtet erinnert die Öffnung genau an das Profil eines Pferdes, wobei das Maul des Pferdes dem Eingang der Höhle entspricht und das rechte Auge nach volkstümlicher Deutung der eigentliche Zugang wäre. Daher der Name. (Eine alternative Erklärung: Der Name leite sich vom alten Namen des Tals selbst ab, "Valle Cavallo".)
Der innere Weg: 1.360 Meter voller Stalaktiten
Der touristische Teil der Höhle erstreckt sich über etwa 1.360 Meter mit geführten Touren von 1 Stunde und 15 Minuten Dauer. Die Innentemperatur ist konstant: 10 °C das ganze Jahr, bei einer Luftfeuchtigkeit von 96 %. Warme Kleidung ist auch im Sommer Pflicht (mindestens ein Pullover, besser eine Windjacke). Geschlossene, rutschfeste Schuhe: An manchen Stellen ist der Boden nass und glitschig.
Im Inneren durchquert man unvergessliche Säle. Der erste ist die Galleria della Devastazione (Galerie der Verwüstung), wo das Chaos jahrtausendealter Felsstürze gequälte Formen schafft. Dann gelangt man in die Sala di Aligi, benannt nach dem Protagonisten des dannunzianischen Dramas, das sich genau in dieser Höhle abspielt: Es ist auch der Saal, in dem sich die Bewohner von Taranta Peligna im Herbst 1943 vor der deutschen Besatzung in Sicherheit brachten, als die Front entlang der Linea Gustav zum Stillstand gekommen war. Weiter geht es zwischen Tropfsteinen, Stalaktiten und Stalagmiten bis zum touristischen Endpunkt, dem Amphitheater, mit einer spektakulären Decke aus Stalaktiten.
Jenseits des touristischen Zweigs setzt sich die Höhle über zwei Kilometer fort, mit dem Pozzo senza fine (Endloser Schacht) und dem Ramo dei Laghi (Seenast), der in den 1950er-Jahren von Höhlenforschern der Universität Oxford entdeckt wurde. Diese Abschnitte sind ausschließlich für Speläologen zugänglich.
Die Geschichte: von der Wiederentdeckung bis zu D'Annunzio
Die Höhle ist seit der Antike bekannt – Wanderhirten nutzten sie als Unterstand – doch nach Jahrhunderten des Vergessens wurde sie im Jahr 1865 von einem Hirten aus Taranta Peligna namens Matteo Ciavarra wiederentdeckt, der beim Suchen nach einer verlorenen Ziege die Höhle nach langer Zeit wieder betrat. Noch im selben Jahr durchforschte der Arzt Egidio Rinaldi sie bis zu dem Punkt, der später "Bolgia Dantesca" genannt wurde. 1893 ließ sich Alessandro De Lucia, Kanzler von Pretoro, gemeinsam mit einem Bauern und zwei Bergleuten in den "Pozzo senza fine" hinab und gründete daraufhin die Società delle Grotte del Cavallone e del Bue. Im selben Jahr wurde die noch heute benutzte Felsenstein-Treppe angelegt.
Internationale Bekanntheit erlangte die Höhle jedoch erst im Jahr 1904, als der Maler Francesco Paolo Michetti das Bühnenbild für den zweiten Akt des pastoralen Dramas La figlia di Iorio von Gabriele D'Annunzio (1903) entwarf und sich dabei vom Eingangsatrium der Grotta del Cavallone inspirieren ließ. Der Erfolg des dannunzianischen Werkes war so groß, dass die Höhle den Beinamen "Grotta della Figlia di Iorio" erhielt, unter dem sie bis heute bekannt ist. 1907 berechnete der Höhlenforscher Luigi Vittorio Bertarelli die Innenmaße, 1912 fertigte Giovanni Battista De Gasperi die erste moderne Planimetrie an.
Öffnungszeiten der Grotta
Die Grotta del Cavallone hat aus klimatischen und Zugänglichkeitsgründen begrenzte Öffnungszeiten (auf 1.475 Metern Höhe ist die nutzbare Saison kurz). Typische Öffnungstermine: Ostermontag, 25. April, 1. Mai, Wochenenden im Juni, täglich vom 1. Juli bis 15. September, letzte Septemberwochenenden. Richtzeitenrahmen: 9:00–16:00 Uhr. Überprüfen Sie die aktuellen Zeiten stets vorab auf der offiziellen Website grottadelcavallone.it.
Preise und Buchung
Vollpreisticket für Erwachsene: 20 € (Normaltarif) (Sesselbahn hin und zurück 13 € + Höhleneingang 7 €), 15 € ermäßigt für Kinder, Senioren, Gruppen (Sesselbahn 10 € + Eintritt 5 €). Vorausbuchung wird dringend empfohlen, besonders an Wochenenden und in der Hochsaison: Online-Buchung spart lange Wartezeiten. Tel. 0872 951922 / 351 9293832, E-Mail biglietteria@grottadelcavallone.it.
Abteien und weitere Sehenswürdigkeiten
Die benediktinische Abtei San Martino in Valle
Bereits oben als Teil des Gole-Weges beschrieben, verdient sie auch als eigenständiges Denkmal Aufmerksamkeit. Die archäologischen Ausgrabungen der letzten Jahre haben einen größeren Komplex zutage gefördert als erwartet: Es handelte sich um eine echte benediktinische "Klosterstadt" mit Werkstätten, Mühlen, Kanalisationssystem und Gästehaus. Dokumentiert seit 829 n. Chr., erreichte sie ihren Höhepunkt im 13.–14. Jahrhundert, als sie Dutzende von Mönchen zählte und Ländereien, Mühlen und Weiden von Fara bis zum Monte Amaro verwaltete. Der Niedergang begann im 17. Jahrhundert, die endgültige Aufgabe folgte nach der Überschwemmung von 1818.
Das Naturkundlich-Archäologische Museum von Fara San Martino
Informationszentrum und Museum des Nationalparks Majella im Herzen von Fara San Martino. Es zeigt archäologische Funde von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter aus den Gole und der Umgebung sowie naturkundliche Dokumentation der östlichen Majella. In der Hochsaison geöffnet, mäßiger Eintrittspreis.
Das Wildgehege des Apennin-Gemsen (Lama dei Peligni)
10 Autofahrtminuten von Taranta Peligna entfernt ist das Wildgehege des Apennin-Gemsen eine Wiederansiedlungsoase für den Apennin-Gemse, eine endemische Unterart des zentralen Apennin, die im 20. Jahrhundert fast ausgestorben war. Der Rupicapra pyrenaica ornata ist eine erst 1899 anerkannte italienische Unterart der Pyrenäen-Gämse. Heute leben im Majella-Park über 500 Exemplare, die ab 1991 aus dem Nationalpark Abruzzen wieder eingebürgert wurden. Im Wildgehege können die Tiere in kontrollierter Freiheit in einem pädagogischen Rahmen beobachtet werden. Kombinierbar mit einem Besuch des Naturkundlich-Archäologischen Museums und des Botanischen Gartens Michele Tenore in Lama dei Peligni.
Das Borgo Pretoro
15 Minuten von den Skistationen Passolanciano-Majelletta entfernt, ist Pretoro eines der schönsten Dörfer Italiens. Ein mittelalterliches Borgo, das auf einem Felsvorsprung thront, mit engen Gassen, alten Kirchen und Panoramablick über das Valle dell'Aventino. Von hier aus führt ein Aufstieg zum Blockhaus, einem 1863 von der savoyischen Armee erbauten Militärfort zur Bekämpfung des Brigantentums. Entlang des Weges vom Rifugio Bruno Pomilio zum Blockhaus findet sich der Tavola dei Briganti (Tisch der Briganten): Kalksteinplatten, in die Hirten und Briganten des 19. Jahrhunderts ihre Namen eingeritzt haben – ein Steinbuch, das vom posteinheitlichen Brigantentum in der Majella zeugt. Der Weg "Indro Montanelli", der dorthin führt, ist barrierefrei und auch für Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen zugänglich.
Tagesausflug: Gole und Grotta kombinieren
Wenn Sie nur einen Tag haben und beide Geosites sehen möchten, empfehlen wir folgendes Programm:
Vormittag (8:30–12:30 Uhr): Gole di Fara San Martino. Abfahrt vom Parkplatz Sorgenti del Verde um 9:00 Uhr, Basisweg bis zur Abtei San Martino in Valle (2 Stunden Hin- und Rückweg mit Pausen), dann Rast an den Sorgenti del Verde, um sich zu erholen und das smaragdgrüne Wasser zu genießen. Picknick vor Ort oder Mittagessen in einem Restaurant in Fara San Martino (Spezialitäten: frische Eiernudeln aus Fara, Lammkotelett alla scottadito).
Nachmittag (14:00–18:00 Uhr): Grotta del Cavallone. Dreißig Minuten Fahrt von Fara nach Pian di Valle (Taranta Peligna). Sesselbahn um 14:30 Uhr, 20 Minuten Aufstieg, 10 Minuten Weg, geführte Höhlentour 1 Stunde 15 Minuten, Rückfahrt mit der Sesselbahn. Es empfiehlt sich, um 14:00 Uhr anzukommen, um die beste Tour zu buchen und die Schließung um 16:00 Uhr nicht zu riskieren.
Zum Abendessen: Auf dem Weg von Taranta Peligna hinunter, Stopp in Lama dei Peligni oder Casoli für ein typisch abruzzesisches Abendessen (Arrosticini, Aufschnitt, Pecorino-Käse). Wer mehr Zeit einplanen möchte: Eine Übernachtung in einem Agriturismo in Lama dei Peligni oder Palena ermöglicht es, am nächsten Tag mit den anspruchsvolleren Wegen der östlichen Majella weiterzumachen.
Praktische Reisetipps
Beste Reisezeit
Optimale Saison: Mai–Juni und September. Die Gole sind ganzjährig begehbar, aber im Winter kann der Weg durch Eis oder Neuschnee rutschig sein. Die Grotta del Cavallone ist nur von Mitte April bis Ende September geöffnet: Außerhalb dieses Zeitraums ist sie nicht zugänglich. Juli und August sind belebt: Buchen Sie die Sesselbahn mindestens 2–3 Tage im Voraus. Meiden Sie Tage mit starken Regenfällen: In den Gole erhöht sich das Steinschlagrisiko, und die Sesselbahn kann gesperrt werden.
Was Sie mitbringen sollten
Für die Gole: Wanderschuhe (auch Sportschuhe mit Profilsohle sind für den Basisweg ausreichend), Trinkflasche, Schutzhelm (am Infopoint leihbar), leichte Jacke auch im Sommer (im Canyon ist es kühl), bei Bedarf Wanderstöcke für den Weg zum Monte Amaro. Für die Grotta del Cavallone: dicke Jacke auch im August (konstante 10 °C im Inneren), geschlossene rutschfeste Schuhe, Stirnlampe nicht notwendig (die Höhle ist beleuchtet), kleiner Rucksack für persönliche Gegenstände.
Mit Kindern
Die Gole sind auch für kleine Kinder geeignet (ab 4–5 Jahren): Der Weg ist einfach, es gibt regelmäßige Pausen, und die eindrucksvolle Atmosphäre des Canyons begeistert die Kleinen. Kein Kinderwagen oder Buggy auf dem unebenen Gelände. Die Grotta del Cavallone ist für Kinder ab 5–6 Jahren geeignet: Die Sesselbahn kann bei den Jüngsten oder bei Personen mit Höhenangst Angst auslösen, aber einmal drinnen ist es ein aufregendes Abenteuer. Achten Sie darauf, dass die Kinder keine Angst vor Dunkelheit oder engen Räumen haben.
Mit Hunden
Hunde an der Leine sind in den Gole erlaubt, jedoch nur bis zur Abtei: Weiter oben machen Wildtiere (Wölfe, Bären) und anspruchsvolle Wege das Mitbringen problematisch. In der Grotta del Cavallone sind Hunde aus Sicherheits- und Ökosystemschutzgründen nicht erlaubt.
Barrierefreiheit
Der Basisweg der Gole ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität bedingt zugänglich (ebener Weg, kompakter Untergrund mit einigen unebenen Abschnitten). Nicht für Rollstühle geeignet. Die Grotta del Cavallone ist für Personen mit körperlicher Behinderung nicht zugänglich: 270 Stufen bis zum Eingang, innerer Weg mit Höhenunterschieden. Die Sesselbahn hingegen ist mit Unterstützung im Rollstuhl zugänglich.
Unterkunft in der Umgebung
Um beide Geosites ohne Zeitdruck zu besuchen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mindestens zwei Nächten. Die Optionen:
Fara San Martino: Kleines Borgo mit familiären Agriturismi und B&Bs (50–90 € für ein Doppelzimmer). Spezialitäten: traditionelle Pastaküche, Blick auf den Canyon.
Lama dei Peligni: Historisches Borgo mit guten Unterkünften, strategische Lage zwischen Fara und Taranta. Hotels und Agriturismi (60–100 €).
Palena: 20 Minuten von beiden Orten, auf 760 m Höhe, reine Bergluft. Historisches Albergo und B&Bs mit abruzzesischen Spezialitäten.
Roccaraso oder Pescocostanzo: 40 Minuten entfernt, ideal im Winter, um Geosite-Besuch und Skifahren zu kombinieren. Mehr Hotels und Tourismuseinrichtungen, Preise 80–200 €.
Die Stravagando-Erlebnisse
Stravagando ist der italienische Marktplatz für Erlebnisse wie diese: geführte Trekkings, Sonnenuntergangs-Wanderungen, Schneeschuhtouren, Foto-Workshops, thematische Besichtigungen, Aufenthalte in alten Dörfern, geleitet von sorgfältig ausgewählten lokalen Gastgebern. Wir bauen in diesen Wochen unseren Katalog der Erlebnisse in den Abruzzen auf— eingeschlossen — und in den nächsten Monaten werden Sie direkt hier buchen können.
In der Zwischenzeit, wenn Sie Gastgeber, Naturführer oder lokale Reiseveranstalter sind und Teil unseres Netzwerks werden möchten, schreiben Sie uns: wir suchen genau Sie.
Und wenn Sie Reisender sind, abonnieren Sie den Stravagando-Newsletter: Wir benachrichtigen Sie, sobald die ersten Erlebnisse online buchbar sind — mit transparenten Preisen, zertifizierten Gastgebern und einer redaktionellen Kuration, die wir Ihnen anders versprechen als bei den großen Generalisten-Marktplätzen.
Um die östliche Majella noch tiefer kennenzulernen: Lesen Sie unseren Artikel über den Nationalpark Majella und den UNESCO Global Geopark, entdecken Sie die cölestinischen Einsiedeleien der Majella, und planen Sie eine Wanderung zum Monte Amaro mit Start in Fara San Martino.
Gute Reise.